Die Idee in einem Satz
Die Probleme, die sich wie eine Mauer vor dem Unternehmer stapeln, werden Woche für Woche zu Stufen einer Treppe nach oben.
Das Projekt
Unternehmer, die im Tagesgeschäft feststecken, kennen das Gefühl: Jeden Tag kommt ein neuer Ziegel dazu, bis eine Mauer vor ihnen steht. Für Mario Bartilla haben wir genau dieses Bild gezeichnet – und es umgedreht. Woche für Woche zieht die Hand des Mentors einen Ziegel heraus und legt ihn als Stufe. Am Ende steht der Chef oben und sagt: „Ist ja ’ne Aussicht hier.“
Der Film ist komplett als Code gezeichnet, Bild für Bild: boilende Pinsellinien, Papierstruktur, eine Figur in Marios Markenfarben, fünf Stimmen und eine eigene Musik, bei der jede Stufe einen Ton höher klingt. Alle Sätze stammen von mariobartilla.de.
Der Wendepunkt liegt bei 0:11: Die Mentor-Hand radiert „im Unternehmen“ weg und schreibt „zusammen.“ – passend zum Satz „Das ändern wir zusammen.“

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Der Auftrag
Mario Bartilla ist Unternehmer-Mentor für den Mittelstand und Mitgesellschafter von Motion ToGo. Sein Produkt sind 16 Wochen Performance-Mentoring für mittelständische Unternehmer.
Der Wunsch: ein kurzer Werbefilm, kreativ und ein bisschen lustig. B2B, aber mit Tempo. Er soll auch ohne Ton verständlich sein, weil er im Feed meist stumm läuft.
Dazu kamen zwei Vorgaben. Erstens mehr Stimmen: Figuren, die selbst sprechen, und am Ende eine richtige Kino-Trailer-Stimme. Zweitens gezeichnete Animation statt cleaner Grafik. Als Referenz bekamen wir einen gezeichneten Werbespot. Den haben wir Bild für Bild auseinandergenommen.
Am Ende stand ein Zeichentrickfilm von 48,5 Sekunden. Mit fünf Stimmen, eigener Musik und einem blauen Chef mit goldener Krawatte.
Erst lesen, dann denken
Bevor wir die erste Idee hatten, haben wir die Website gelesen. Komplett. Dort steht schon fast alles, was ein guter Film braucht:
- Für wen: Unternehmer und Geschäftsführer von mittelständischen Firmen mit 20 bis 300 Mitarbeitern. Zum Beispiel aus Handwerk, Produktion, Dienstleistung und Logistik.
- Die Probleme, in den Worten der Kunden: „Umsatz stagniert.“ „Zu hoher Preisdruck.“ „Die richtigen Mitarbeiter fehlen.“ „Tagesgeschäft bestimmt deinen Alltag.“ „Entscheidungen bleiben an dir hängen.“ Darüber steht als Überschrift: „Du arbeitest im Unternehmen statt am Unternehmen.“
- Die Methode: „Wir arbeiten immer nur an dem größten Schmerzpunkt.“ Jede Woche gibt es eine klar definierte Aufgabe mit einem konkreten Ergebnis. 16 Wochen lang.
- Das Versprechen: „Mehr Umsatz. Höhere Margen. Weniger Chaos.“ Und dazu die Frage: „Durchbruch oder Durchschnitt?“
Wir haben keinen einzigen Werbesatz dazuerfunden. Jeder Text im Film steht so auf der Website oder ist direkt daraus abgeleitet. Bei einem echten Kunden ist das für uns Pflicht. Was im Film gesagt wird, muss er auch selbst so sagen wollen.
Wie wir auf die Idee gekommen sind
Wer als Unternehmer im Chaos steckt, sieht vor allem eins: eine Wand. Jedes Problem ist ein Ziegel. Und irgendwann ist die Mauer höher als man selbst.
Das Mentoring macht etwas sehr Einfaches. Es nimmt sich jede Woche genau einen Ziegel vor, den größten, und löst ihn. Aus einem Problem wird so eine Stufe.
Daraus wurde die Idee: Die Mauer wird zur Treppe. 16 Wochen, 16 Ziegel, 16 Stufen. Oben angekommen sieht der Chef seinen Betrieb zum ersten Mal von oben. Genau das meint „am Unternehmen arbeiten“: Überblick statt Feuerwehr.
Wir haben mehrere Richtungen vorgeschlagen. „Mauer wird Treppe“ hat gewonnen, weil man die Idee auch ganz ohne Ton versteht.
Der Film
Chaos. Der Chef rennt mit klingelndem Telefon durchs Bild. Aus dem Off ruft eine Mitarbeiterin: „Chef! Kunde auf Leitung zwei!“ Er dreht um, aus der Werkstatt kommt der nächste Ruf: „Chef! Die Maschine steht!“ Dabei fallen Ziegel vom Himmel, jeder mit einem Problem von der Website: Preisdruck, Umsatz stagniert, Falsche Kunden, Mitarbeiter fehlen, Tagesgeschäft … Sie stapeln sich zu einer Mauer, fast dreimal so hoch wie er.
Die Musik bricht ab. Er schaut nach oben: „Noch 'ne Baustelle?!“ Dann fällt ihm der letzte Ziegel auf den Kopf, „Entscheidungen“: „Au.“ Der Ziegel springt ab und landet oben auf der Mauer. Der Chef sitzt mit Sternchen um den Kopf auf dem Boden.
Die Wende. Der Sprecher: „Du arbeitest im Unternehmen. Statt am Unternehmen.“ Neben dem Chef schreibt sich handschriftlich „im Unternehmen“ ins Bild, mit einem Pfeil auf ihn. Darüber steht „am Unternehmen?“, mit einem Pfeil nach oben aus dem Bild. Diese Frage beantwortet der Film erst am Schluss.
Bei 0:11 kommt die Hand des Mentors ins Bild, in einem dunkelblauen Ärmel mit goldenem Manschettenknopf und mit einem Bleistift. Sie radiert „im Unternehmen“ weg und schreibt „zusammen.“ hin. Der Sprecher: „Das ändern wir zusammen.“ Dazu spielt eine Marimba F–A–C–F.
Mit demselben Stift kreist die Hand den Ziegel „Tagesgeschäft“ rot ein: „Wir arbeiten immer nur an deinem größten Schmerzpunkt.“ Dann zieht sie den Ziegel wie bei Jenga aus der Mauer. Die Mauer wackelt gefährlich, bleibt aber stehen. Die Hand legt den Ziegel vor den Chef und klopft ihm zweimal auf den Kopf. „Jede Woche an einem.“ Oben links steht jetzt: Woche 1/16.
Der Aufstieg. Ab hier läuft der Film im Takt der Musik. Auf jeden Schlag fliegt ein Ziegel aus der Mauer und landet als neue Stufe. Die Stufe bekommt einen roten Strich durchs Problem und einen goldenen Haken. Der Chef hüpft eine Stufe höher. „Klare Aufgabe. Konkretes Ergebnis. Stufe für Stufe.“ Unten wird die Mauer immer kleiner, oben die Treppe immer länger. Irgendwann steigt der Chef durch die Wolken.
Oben. Woche 16 färbt sich gold. Der Chef landet auf der obersten Stufe, vor ihm die Sonne, und reißt die Arme hoch. Dann dreht er sich um und schaut nach unten: „Oh. Ist ja 'ne Aussicht hier.“ Die Kamera fährt zurück. Man sieht alles auf einmal: unten den Betrieb, aus dessen Schornstein jetzt ruhige Rauchringe steigen, darüber einen goldenen Haken und die ganze Treppe aus erledigten Problemen. Neben dem Chef steht jetzt „am Unternehmen ✓“. Der Sprecher: „Mehr Umsatz. Höhere Margen. Weniger Chaos.“
Der Kino-Schluss. Auf einen Schlag reißt das Papier, auf dem der Film gezeichnet ist, in der Mitte auseinander. Dahinter kommt Dunkelblau zum Vorschein, darauf in Gold DURCHBRUCH. Die Trailer-Stimme: „Durchbruch … oder Durchschnitt?“ Bei „Durchschnitt“ macht eine Posaune kurz „womp womp“.
Dann zeichnet sich das Wappen von Mario Bartilla ins Bild. „Mario Bartilla.“ Darunter erscheinen der Schriftzug, die Zeile „16 Wochen Performance-Mentoring · Sparring auf Augenhöhe“ und ein goldener Button: „Kostenloses Strategiegespräch. Auf mariobartilla.de.“ Zum Schluss schiebt sich der Chef unten rechts ins Bild, winkt und zwinkert.
Gezeichnet: aber wie?
Der Wunsch war klar: kein „normales Motion“, sondern etwas, das wie von Hand gezeichnet aussieht. Dafür haben wir zwei Wege getestet.
Test 1: Zeichentrick per KI-Video. Wir haben mit Higgsfield ein Standbild im gezeichneten Stil erzeugt und es von Kling animieren lassen. Der Look war überraschend gut. Aber drei Dinge haben gefehlt. Die Figur sieht in jedem Clip etwas anders aus. Logo und Text lassen sich nicht exakt setzen. Und ob eine Bewegung auf der Silbe oder auf dem Beat landet, ist Glückssache. Für eine echte Marke reicht das nicht.
Test 2: Zeichentrick selbst gebaut. Deshalb haben wir den ganzen Film selbst gezeichnet, als Code, Bild für Bild. Dabei haben wir die Techniken nachgebaut, die gezeichnete Animation ausmachen:
- Lebendige Linien. Jede Kontur verändert sich leicht bei jedem zweiten Bild, also zwölfmal pro Sekunde. Wie bei klassischem Zeichentrick. Dadurch wirkt sogar ein stehender Ziegel lebendig.
- Pinselstriche statt Vektorlinien. Die Linien werden mal dicker, mal dünner und laufen spitz aus.
- Farbe wie gedruckt. Die Flächen sitzen minimal versetzt zu den Linien. Darüber liegt eine Papierstruktur mit Fasern und leichten Wolken, wie bei Aquarellpapier.
- Gewicht und Witz. Der Chef wird beim Landen gestaucht und beim Springen gestreckt. Wenn er rennt, zieht er Geisterbilder und Speedlines hinter sich her. Die Ziegel fallen mit Schwerkraft, federn nach und wirbeln Staub auf.
- Lippensynchron. Wie weit der Mund des Chefs offen ist und ob er eher rund oder breit ist, berechnen wir direkt aus der Stimme.
Die Figur. Der Chef ist ein blauer Bohnenkörper mit großen Augen, beweglichen Augenbrauen, einer Haarlocke, einem weißen Kragen und einer goldenen Krawatte. Blau ist er, weil das Logo blau ist. Golden ist die Krawatte, weil Gold die Akzentfarbe der Website ist. So steckt die Marke schon in der Figur, bevor das Logo überhaupt auftaucht.
Das Logo. Wir hatten das Logo nur als kleines PNG. Deshalb haben wir es sauber als Vektorgrafik nachgezeichnet, damit es auch auf dem Endbild in voller Größe scharf ist. Auf dem dunkelblauen Abschluss erscheint es in Creme. Schrift und Proportionen sind exakt wie im Original.
Fünf Stimmen statt einer
| Rolle | Stimme | Wie sie klingt |
|---|---|---|
| Der Chef | Synchro Sam | Überdreht wie eine Synchronstimme im Zeichentrick, mit echter Verzweiflung bei „Noch 'ne Baustelle?!“ |
| Mitarbeiterin aus dem Off | DeMandy | Bodenständig mit sächsischem Einschlag |
| Mitarbeiter aus der Werkstatt | Holger | Laut gerufen, gestresst |
| Sprecher | Jonas Adler | Warm und ruhig, dieselbe Stimme wie im KAIRON-Film |
| Trailer-Stimme | Helmut (Epic Trailer) | Tief, langsam, eine Stimme wie im Kino |
Jeden Satz haben wir mindestens zweimal einsprechen lassen und dann den besten Take gewählt. Die Stimmen aus dem Off haben wir so bearbeitet, dass sie wirklich aus einem anderen Raum zu kommen scheinen: etwas dünner, mit ein bisschen Hall. Die Trailer-Stimme bekam viel Tiefe und einen großen Raum. So hört man sofort, wer gerade spricht und von wo. Auch ohne hinzuschauen.
Musik und Sound
Die Musik haben wir für diesen Film selbst komponiert, im Takt von 120 Schlägen pro Minute:
- Chaos: eine hektische Tuba im Um-Pa-Rhythmus, Pizzicato in Moll und eine Marimba, die immer wieder losrennt. Wenn der letzte Ziegel landet, läuft die Musik aus wie ein Kassettenrekorder, dem der Strom ausgeht.
- Die Wende: eine ruhige Marimba unter dem Sprecher, auf „Das ändern wir zusammen“ ein Lauf F–A–C–F. Als die Hand nach dem Ziegel greift, wird es leise und spannend. Beim Jenga-Ziehen bleibt nur ein zitternder Akkord. Wenn der Ziegel landet, gibt es ein kurzes „Ta-da“.
- Der Aufstieg: ein treibender Beat. Jede Stufe spielt einen Ton höher, insgesamt zwei Oktaven von unten nach oben. Die Treppe ist also auch zu hören.
- Oben: ein großer Dur-Akkord mit Becken. Danach Wind, ein paar Vögel und Weite.
- Der Trailer: Das Papier reißt, ein tiefer Einschlag folgt, dann ein dunkler Bläserakkord und Trommeln, die sich bis zum Wappen steigern. Das Finale ist hell, mit Bläsern, und hält bis zum letzten Bild.
Dazu kommt ein eigener Sound für fast jede Bewegung. Dumpf, wenn ein Ziegel auf den Boden kracht. Heller, wenn er auf einem anderen landet. Ein Bonk beim Kopftreffer, kurze Schritte und Rutschen beim Rennen, das Quietschen eines Filzstifts, wenn sich Text ins Bild schreibt. Ein Klaps beim Kopftätscheln, ein „Boing“ bei jedem Sprung und das große Reißen vom Papier.
Warum das verkauft
- Man erkennt sich wieder, bevor man etwas versteht. Auf den Ziegeln steht die Woche jedes Mittelständlers. Wer „Preisdruck“, „Mitarbeiter fehlen“ und „Ständig Feuerwehr“ liest, nickt innerlich. Noch bevor der Sprecher überhaupt etwas sagt.
- Die Methode wird gezeigt, nicht erklärt. Ein Ziegel pro Woche, der größte zuerst. Und der wird erledigt, nicht verschoben. Mehr muss man über das Mentoring nicht wissen, um es zu verstehen.
- Humor macht es leichter. Über den Chef mit dem Ziegel auf dem Kopf lacht man. Und wer lacht, hört zu. Lächerlich wird die Figur dabei nie. Am Ende ist sie der Held.
- Am Anfang eine Frage, am Ende die Antwort. „am Unternehmen?“ steht am Anfang mit einem Fragezeichen im Bild, oben auf der Treppe dann mit einem Haken. Wer das sieht, hat den Kern verstanden.
- Der nächste Schritt ist klein. „Kostenloses Strategiegespräch“ statt „Jetzt buchen“. Unternehmer sagen lieber Ja zu einem Gespräch als zu einem Programm.
- Die Marke bleibt die Marke. Logo, Farben und Texte sind exakt. Witzig ist der Film, beliebig ist er nicht.
Was wir beim zweiten Hinsehen besser gemacht haben
- Der Daumen. Im ersten Entwurf sollte der Chef am Ende einen Daumen hochhalten. Auf unserem Figurenblatt sah der Daumen aber eher aus wie ein ganz anderer Finger. Für einen B2B-Film keine gute Idee. Der Chef winkt jetzt. Und die Mentor-Hand tätschelt ihm stattdessen den Kopf, was am Ende sogar herzlicher wirkt.
- Die Treppe war zu flach. Im ersten Entwurf lagen Betrieb und Gipfel so weit auseinander, dass der Chef oben nur noch ein blauer Punkt war. Wir haben die Treppe steiler gemacht. Jetzt passen Betrieb, Treppe, Chef und Sonne in ein einziges Bild.
- Die Wolken sahen kopiert aus. Alle hatten die gleiche Form, das wirkt sofort künstlich. Jetzt hat jede Wolke ihre eigene Silhouette.
- Text im Rauch. „im Unternehmen“ stand zuerst genau da, wo der Schornstein raucht. Wir haben den Text auf die freie Seite neben den Chef geschoben.
- Der Riss war zu laut. Im ersten Mix hat das Reißen vom Papier das Wort „Durchbruch“ fast verschluckt. Jetzt ist der Riss kürzer und leiser, und das Wort steht klar im Vordergrund.
Zum Schluss haben wir eine Spracherkennung den fertigen Mix abtippen lassen. Sie hat jede Zeile von allen fünf Stimmen korrekt erkannt.
